Empathie bitte

Ich lese (und schreibe gelegentlich) ja gerne beim Frühstück ein bisschen im Hundeforum herum, und manchmal werde ich da schlagartiger wach, als ich es mir wünsche... Es gibt einfach Dinge, die treiben mir den Puls hoch.
Zur Zeit häufen sich mal wieder die "Mein Welpe beisst/nervt/ist noch nicht stubenrein..." Beiträge und offenbaren eine Einstellung zum Hund, die mich ein bisschen aufregt.

Dass man sich einen möglichst unkomplizierten Hund wünscht, das verstehe ich, das habe ich auch getan. Wenn man es vernünftig anstellt, kann das auch durchaus klappen. Hat es bei mir zumindest.

Allerdings - hätte ich diese Erwartungen gehabt, die manche Leute an den Tag legen, hätte ich meinen völlig unkomplizierten Welpen vielleicht auch als Nervensäge wahrgenommen.

Welpen, die ausschließlich an der Leine rauskommen, weder Sozialkontakt noch freie Bewegung haben, aber bitte schön lieb und brav zu sein haben, die restlichen 23,5 Stunden des Tages?

Welpen, die über Stunden in Kennels gesperrt werden - und das gefälligst lautlos zu ertragen haben?

Welpen, die mit Händen und Fingern gekrault, gepackt und traktiert werden - die aber bitte schön nur ja nicht jemals ihr Maul einsetzen sollen?

Knurren, Bellen, Herumtoben, in die Wohnung pinkeln, spitze Zähne an Schuhen oder Möbelstücken wetzen, Maulrangeln mit aufdringlichen Menschenhänden - ja, sowas tun Welpen eben. Die sind tatsächlich lebendig.

Da wird so ein kleines, gerade ein 2 Monate altes Lebewesen in ein völlig neues Leben geschmissen, ohne die Geschwister, raus aus der vertrauten Umgebung, und soll an der Leine gehen können? Soll schon wissen, was sein Spielzeug ist und was nicht? Soll schon wissen, wie fest man höchstens beissen darf? Was Nein und Aus und Komm bedeuten?

Und dann wird herum gewurschtelt, alle fünf Minuten eine neue Methode, "Ich habe alles schon ausprobiert!" und "Bei diesem Hund funktioniert das alles nicht!" heisst es dann. Nach zwei Wochen. Finde den Fehler.

Wenn so ein Hundekind dann überfordert, übermüdet oder gestresst ist, nicht zur Ruhe kommt und völlig am Rad dreht, dann ist Mensch natürlich erst recht genervt, dann wird geschimpft und gestraft und der Hund wird noch verunsicherter.

Und immer ist es der Hund, bei dem der Fehler gesucht wird. Ein erwachsener Mensch mit angeblich überlegener Intelligenz ist sauer auf einen Hund. Einen WELPEN. Weil der so blöd ist und mit voller Absicht dem Menschen auf den Keks geht.

Solchen Leuten erklären, was Empathie ist? Nä, hab ich ausprobiert. Funktioniert nicht.
Scherz.

Ich glaube, dass die modischen Versprechungen vom "idealen Familienhund" ganz falsche Erwartungen wecken. Da wird völlig normales Verhalten als Problem wahrgenommen. Und dann hat der Mensch Frust, weil sein Hund ja irgendwie "verkehrt" ist oder er selbst sich als Versager fühlt.

Manchmal muss man nur die etwas überidealisierten Vorstellungen gerade rücken und sagen: Hey, das ist normal.

Und wenn sich jemand über seinen ach so spitzzahnigen Schnappschildkrötenwelpen echauffiert, dann empfehle ich gerne dieses Video - dagegen wirken doch die allermeisten Welpen zart und rücksichtsvoll... alles relativ!





Das Dilemma der Züchter

Sind Mischlinge gesünder? Ist reinrassig ein Qualitätsmerkmal? Braucht ein Hund Papiere? Warum sind manche Hunderassen besonders betroffen von Krankheiten?

Je mehr man sich mit solchen Fragen beschäftigt, umso mehr neue Fragen stellen sich.

An der Oberfläche ist alles ganz einfach.

Ein verantwortungsvoller Züchter ist natürlich am empfehlenswertesten. Ein Rassehund bringt vorhersehbare Eigenschaften mit. Auch ein Mischling kann Erbkrankheiten haben, man kennt ja die Eltern nicht. Gute Zuchtvereine bemühen sich darum, Krankheiten auszumerzen, nur getestete Hunde kommen in die Zucht.

Zucht bedeutet nicht, einfach nur Hunde zu vermehren, sondern die Rasse zu verbessern.

Was heisst "Rasse verbessern"?

Diese Frage habe ich in den vergangenen Jahren häufig gestellt. Antworten laufen immer darauf hinaus: Alles testen, prüfen, begutachten und nur das beste (je nach Eigenschaft - Gesundheit, Arbeitseigenschaften, Optik) kommt weiter.

Klingt gut. Genau auf diesen Grundsätzen ist die moderne Hundezucht (ca. 150 Jahre alt) aufgebaut. Bis heute.

Wer es geschafft hat, sich im Biologieunterricht konsequent die Ohren zuzuhalten, und die Erkenntnisse der Populationsgenetik aus den letzten 100 Jahren vollkommen ignoriert, glaubt das immer noch.

Die moderne Hundezucht mit ihren geschlossenen Zuchtbüchern und dem Credo der "Reinzucht" hat jede Menge kleine, abgeschnittene Inselpopulationen erschaffen, genetische Flaschenhälse bzw. Trichter: seit jeher bedeutet das in den meisten Fällen Sackgassen der Evolution, das Aussterben der Population, sobald diese zu klein wird. Ist es das, was wir jetzt erleben? Ganze Rassen, bei denen die Neigung zu frühen Krebserkrankungen so ausgeprägt ist, dass man kaum noch damit rechnen kann einen Hund zu erwischen, der älter wird als 8 Jahre, Rassen, bei denen eine tödliche Herzerkrankung mindesten einen von 3 Hunden in jungem Alter trifft, Rassen, bei denen so gut wie alle Individuen unter Urinsteinen leiden, wenn sie nicht Spezialfutter bekommen, Rassen, bei denen Blindheit weit häufiger vorkommt als in einer gesunden Population... ist das alles Züchterpech oder schlicht und einfach das Ergebnis von Naturgesetzen, die man eben nicht umgehen kann?

In meiner bescheidenen Erfahrung sind das unbequeme Fragen, die in Züchterkreisen ungern gehört und selten gestellt werden. Umso überraschender und beeindruckender dieser Artikel:

Come talk to me, my friend dog breeder

Und hier, in der der deutschen Übersetzung:

Lass uns reden, mein Hundezüchter-Freund


Erstaunt hat mich allerdings die Schlussfolgerung der Autorin.

"....when the breed has spent its entire lifetime with us, thought its birth, growth, maturity, deterioration, and it is now time for it to go, we must let it. ...
When the time comes for your breed to go, let it. "

"... wenn die Rasse ihr ganzes Leben mit uns verbracht hat, Geburt, Wachstum, Reife und Verfall, und es ist jetzt Zeit, dann müssen wir sie gehen lassen. Wenn die Zeit für deine Rasse kommt, lass sie gehen. "

So weit geht der Glaube an die "Rasse", dass man sie lieber aussterben sieht, als sie - durch Veränderung - zu erhalten?
Viel naheliegender wäre es doch, den Genpool zu erweitern. Passende Individuen anderer Rassen einzukreuzen. Natürlich verliert man dabei ein paar typische Eigenschaften... Aber ist es wirklich so wichtig, ob ein Hund einen braunen Punkt auf der Nase hat oder einen Ringelschwanz?

Man muss ja nun weiß Gott nicht gleich alle sinnvollen Selektionskriterien über Bord werfen. Aber der Unsinn der Farbzucht, der streng getrennten Schläge, der reinen Schönheitszucht, dem Beharren auf Reinrassigkeit um jeden Preis - warum kann man damit nicht aufhören, statt gleich die ganze Rasse zu zerstören?

Man muss ja auch nicht eine Dogge in den Chihuahua-Genpool einbringen. Aber es gibt so viele Rassen, die sich in Aussehen und Verhalten bzw. Verwendungszweck ähneln. Vielleicht liegt darin der Ausweg aus der genetischen Sackgasse, in die der unsinnige Glaube an die "Rassereinheit" die Hundezucht manövriert hat.

Was die Genetik angeht, gibt es kein "Reinrassig" und "Mischling". Das sind keine Begriffe, die in der Biologie irgendeinen Sinn ergeben, sondern es sind ideologische Begriffe, deren Bedeutung nur aus Glaube und blinder Überzeugung erwächst, und nicht aus wissenschaftlichen Fakten.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Und die Zukunft der Hundezucht vielleicht auch...








Fazit: Kauft kein Josera

Werbung mit Qualzuchten, und so charmant, mon dieu.... Wer Facebook hat, ein netter Kommentar kann nicht schaden.

Video bei Facebook

Hier ein paar Argumente.

Suche ein Babyhund. Preis VB

Mal wieder ebay Kleinanzeigen... Man beachte den letzten Satz!
Es ist ein Screenshot - stand genau so drin. Herr, lass Hirn regnen.


Alphawurf

Sam ist ein großer, sehr ernster Border Collie aus Showzucht. Sehr groß und kräftig für einen Border Collie. Sam läuft immer ohne Leine schnurstracks vor seinem Herrchen oder Frauchen her, etwa 20 Meter vorneweg, guckt nicht links und nicht rechts.

Wenn Blacky Sam von weitem sieht, dreht er sofort auf dem Absatz um, zieht den Kopf ein, legt die Ohren zurück und läuft zielstrebig in die entgegengesetzte Richtung.  Wenn ich an Sam vorbeilaufen wollte, müsste ich Blacky an der Leine hinterher ziehen. Blacky möchte definitiv NICHT in Sams Nähe kommen. Auch nicht mit meiner Deckung, der er sonst immer vertraut.

Dabei guckt ihn dieser Hund nicht mal an.

Sam ist ein Alpha-Tier. Sam kann Alpha-Wurf.

Echt jetzt ® ?!?

"Ein Markenlabrador aus dem Hause Mingan®"

So steht es in einer ebay-Kleinanzeige (wo sonst sollte man seine Hunde aus einem "Zuhause mit Niveau" - Zitat - auch sonst zum Kauf anbieten?). Die Markenhunde gibt es in"Light mingan® Silber" und "Light mingan® Charcoal". Schick.
Nach kurzem Kopfschütteln habe ich mich mal auf die Suche gemacht nach weiteren Markenhunden. Ich kannte das bisher nur vom Elo® und dem davon abgespaltenen Canilo®. Greift das nun etwa um sich? Kommt nach der Doodlewelle und den Edelkreuzungen, Hybriden und Designerdogs, von Swissydog über Rassmo bis RiDo, nun die Markenhunde-Mode? Es scheint fast so...

Gegenverkehr

Heute morgen im Wald. Ich laufe so daher, mitten auf dem Weg. Kommt uns ein alter Mann mit Walkingstöcken entgegen. Auch mitten aus dem Weg. Ich also Hund ins Fuß und an den Wegrand. Und da Blacky nun mal links von mir Fuß geht, an den linken Wegrand.

Und der Oppa? Macht das auch. Also, mein Links, sein Rechts.

So einer, denke ich. Das kenne ich ja schon - die Leute müssen ja irgendwie immer versuchen, außen am Hund vorbei zu gehen. Warum? Das frage ich mich schon lange. Aber egal, man kann ja schon froh sein, wenn sie sich nicht zwischen mir und dem Hund durchquetschen wollen...

Meine eiserne Regel lautet nun aber: Hund immer außen. Ob mit oder ohne Leine. So können sehr viele Probleme und Missverständnisse überhaupt nicht erst entstehen. Der Hund hat Orientierung, kann sich sicher fühlen, ich habe Kontrolle über die Situation. Es wird niemandem vor die Füsse gelaufen, es kann kein ungewollter Kontakt aufgenommen werden, ob von Hund oder Mensch, der Hund weiß 100%ig: Ich habe mich um diese Situation einfach nicht zu kümmern. Geht mich nix an, ist nicht mein Problem. Gucken darf man natürlich, aber sonst passiert einfach NIX, nada, null. Ob da ein Hund ausrastet, ein Kind schreit, jemand lockt und schnalzt, Stöcke klappern. Diese grundsätzliche Übereinkunft macht das Leben einfach leichter.

Nun könnte ich die Seite wechseln und den Hund nach rechts nehmen. Geht ja auch. Mache ich auch oft - aber erstaunlich häufig gehen die entgegenkommenden Leute dann auch auf die andere Seite... siehe oben.
Da in diesem Fall ein breiter Seitenstreifen zur Verfügung steht, mache ich es mir leichter und gehe halt noch ein bissel weiter links.

Der Oppa aber auch.

Er hat offensichtlich auch seine Prinzipien.

Ich bleibe also einfach stehen, vor/neben dem Hund, und denke mir: Dann stöckel halt vorbei... Ist ja nicht so als ob ich es irgendwie eilig hätte.

Der Oppa steuert unbeirrt auf uns zu.

Da kommt mir jetzt der Umgang mit den Pferden zugute - die trainieren einen sehr effektiv darin, sich darüber bewusst zu werden, ob man sich bewegen lässt oder nicht. In meinem Fall: Nicht. Ist ja nicht so, als hätte ich Oppa nicht schon den kompletten Weg frei gemacht. Ich gucke also gelangweilt vor mich hin und warte. Bleibt der Oppa (ok, genug mit der Respektlosigkeit, der ältere Herr) stehen und ranzt mich an:

"Warum müssen Sie jetzt unbedingt links gehen?"

Hä?

Aber fragen ist ja immer gut. Ich also lieb und nett erklärt, dass es immer besser ist, wenn der Hund außen ist, so kann niemand angesprungen oder beschnüffelt werden, und der Hund hat keine Angst, denn viele Hunde mögen Walkingstöcke nicht, usw usf.

"Dann lassen Sie den halt rechts laufen!!"

Äh.. naja, der Hund geht Fuß und das hat er nun mal links gelernt, das macht man so (muss jetzt der Herr ja nicht wissen, dass er das auch rechts kann. außerdem kann er es links tatsächlich besser, weil zuerst und intensiver geübt, wegen der Begleithundeprüfung und so.)

"Ist der gefährlich?"

Hä?? Nein.

"Man geht rechts auf dem Weg!!"

Alles klar. An diesem Punkt habe ich mich entschieden, den guten Mann mit seinem gutbürgerlichen Ordnungssinn einen guten Mann sein zu lassen und bin wortlos weiter. (Mit dem Hund aussen selbstverständlich.)

Beim nächsten Mal nehme ich ne Lampe mit und blinke, bevor ich abbiege.


Morgenspaziergang


Heute getroffen:

Ein Aussie, der es geschafft hat, einen Riesen-Ast UND sein Bällchen gleichzeitig herumzutragen.
Eine Herde Schafe.
Ein Langhaar-Weimeraner. Wusste gar nicht, dass es das gibt. 8 Monate alt und weiß jetzt, dass Pudel giftig werden, wenn man ihnen eine Pfote auf den Rücken haut.
Eine Ziege, die wohl zur Schafherde gehörte, sich aber abgesetzt hat.
Viele Kaninchen. Nach dem ersten Anstarten, Rückrufen, Leberwurst-Schlecken uninteressant. Wenns doch bei Hasen genauso wäre!
Ein dicker Labbi, der auch ganz genau zwischen Hasen und Kaninchen unterscheiden kann, sagt sein Frauchen.

Und was halt sonst noch so rumläuft.

Fotobombe


Der blöde Spruch der Woche

"Macht nicht den Fehler, Hunde wie Menschen zu behandeln, sonst behandeln sie euch wie Hunde!"

Klingt ja irgendwie clever und witzig, auf den ersten Blick. Aber bei näherem Hinsehen - was soll das bedeuten? Gemünzt ist es wohl einfach auf typische Missverständnisse, insbesondere was körperliche Nähe oder Blickkontakt angeht. Wir Primaten mögen Umarmungen, kraulen gerne mit unseren Händen - so wie unsere Vorfahren sich lausten - suchen direkten Blickkontakt usw.
Hunden ist ihre Individualdistanz wichtig - und ihre Art, primatenhafte Übergriffe zu verhindern, ist Knurren oder Abschnappen. Ja, das ist das häufigste Missverständnis unserer beiden Spezies.

Der Weg, das zu lösen, ist aber tatsächlich nicht nur einerseits, die Signale des Hundes zu lesen und zu beachten, ihn also als Hund zu behandeln. Sondern tatsächlich andererseits, ihn wie einen Menschen zu behandeln - nämlich mit Respekt. Und ihm das Menschenverhalten verständlich und sogar angenehm zu machen. Hunde können sehr wohl lernen, Blickkontakt aufzunehmen, und es gehört ja sogar zu den Domestikationsmerkmalen, dass sie Blickkontakt suchen. Gleiches gilt für Berührungen. Es gibt Hunde, die es nicht mögen, und das sollte man respektieren - aber WER hatte noch nie einen wohlig grunzenden Hund neben sich auf dem Sofa, der sich ganz uncanidenhaft das Bäuchlein kraulen lässt?

Was einen Hund zum Hund macht - das ist doch genau das: Seine Beziehung zu  uns Menschen.

Was mich an diesem vordergründig cleveren, aber eigentlich einfach nur dummen Spruch genervt hat: Er fiel im Zusammenhang mit dem Vorfall um Chico. Einem Hund, der zwei Menschen getötet hat.

Hier das Interview dazu, im WDR: klick

Nichts an dem Verhalten dieses Hundes könnte man so umschreiben, er habe seine Besitzer "wie Hunde behandelt".  Es mag sein, dass Rassen, die explizit für Hundekämpfe gezüchtet wurden - Kampfhunde eben - tatsächlich bis zum Tod kämpfen. Unter Missachtung der Gefahr für das eigenen Leben, trotz Gegenwehr. Normalerweise verlaufen Kämpfe im Tierreich aber nicht so, es gibt Gegenbeispiele (See-Elefanten kämpfen oft bis zum Tod), aber unter Caniden ist das kein normales Verhalten. Auch wenn der Mensch viele Hemmschwellen weggezüchtet hat - es bleibt ein Extrem.  Hunde behandeln sich gegenseitig nicht so.

Nicht von Geburt an (obwohl züchterische Selektion dafür gesorgt hat, dass es durchaus kampfbereite, entschlossene Hunde gibt, auch wenn die Kampfschmuser-Fraktion das gerne verharmlost), und auch anerziehen kann man so ein Extrem-Verhalten nur begrenzt. Man kann eben nicht aus einem Pudel einen Kampfhund machen. Keinen erfolgreichen jedenfalls.

Und der erste Teil des Spruches? "Macht nicht den Fehler, Hunde wie Menschen zu behandeln?" - DAS soll das Problem in diesem Fall sein? Geht's noch? Im Käfig halten, auf den Balkon kacken lassen, "scharf" machen? Chico - zu sehr vermenschlicht?

Natürlich hat der nette Tierarzt das im Interview nicht so gemeint. War ja mehr so allgemein gesprochen. Aber Anlass war der Fall Chico, ein außerordentlicher, außergewöhnlicher Fall, aus dem sich absolut keine Rückschlüsse auf normales Hundeverhalten ziehen lassen. Da gibt's kein "allgemein".

Aber es müssen ja unbedingt alle "Experten", die nicht bei 3 auf dem Baum sind, vor einen Kamera gezerrt werden und irgendeinen Senf abgeben. Ob's die üblichen medienerprobten Trainer sind, die sich gerne als große Hundebändiger gerieren, Verhaltenspsychologen oder Tierschützer - Hauptsache, jeder labert irgendwas daher, was mit Chico einfach gar nichts mehr zu tun hat. Solange es nur gut klingt.

Chico wurde erst als Waffe missbraucht, dann als Projektionsfläche für fehlgeleitete Tierschützer und jetzt noch als prima Gelegenheit für allerlei medienaffine Verhaltenspsychologen,  Hundetrainer oder Tierärzte, auch mal schlaue Sprüche im Fernsehen abzulassen.

Dass über den Fall Chico geredet wird, ist verständlich und muss sein. Aber dann redet doch auch über Chico. Chico ist kein Beispiel für alle Hunde.

Nehmt diesen schrecklichen Einzelfall als das was er ist: ein Einzelfall. 

Chico und die Chihuahuas

Wie derzeit ein absolut außergewöhnlicher, tragischer Vorfall für alle möglichen Anliegen instrumentalisiert wird, lässt mich wirklich fassungslos zurück.

Die Menschenverachtung und Dummheit von sogenannten Tierschützern, die auf Facebook und anderswo ungehemmt Kommentare übelster Sorte absondern. Das Versagen und Herumlavieren von Behörden, die schon vor Jahren all das hätten verhindern können und müssen. Die völlige Verharmlosung der Gefahr, die erwiesenermassen von diesem Hund ausgeht, zwei tote Menschen sind tragischer Beweis dafür. Die unsägliche Gleichsetzung von Gefahrenabwehr mit einer deplatzierten Diskussion über Schuld und "Todesstrafe". Die Mediengeilheit eines Tierheims, das es fertigbringt, einen Hund, der Menschen getötet hat, der aufgrund von schlechter Sozialisierung und Haltung, bewussten "Scharfmachens" und akuten Schmerzen gefährlich wurde, ohne Maulkorb auf einer Straße spazieren führen zu lassen - wozu? Um sich als heldenhafte Resozialisierer von der "Free Chico" Bewegung feiern zu lassen?

Einen Aspekt möchte ich mir aus all dem herausgreifen.

Aber zuerst, vorausgeschickt: Ich bin zwiegespalten, was die "Rasselisten" und Kampfhundgesetze angeht, möchte mich nicht als "Pro" bezeichnen, aber kann auch nicht ehrlich behaupten, "Contra" zu sein.

Auch wenn das - ähnlich wie "Ich verwende Bavecto" oder "Mein Hund ist kastriert" oder "Ich füttere Trockenfutter" eine Aussage ist, die einem in gewissen Kreisen ordentlichen Gegenwind einbringt - ich stehe dazu.

Das Verschwinden der Kampfhunde aus den Parks und den zwielichtigen Ecken des Viertels, in dem ich als Studentin wohnte, nach dem Tod des kleinen Volkan im Jahr 2000 - ich habe dieses Verschwinden mit ehrlicher Erleichterung begrüßt. Ich hatte - und habe - Angst vor großen, starken Hunden mit Aggressionspotential in den Händen von jugendlichen Angebern und anderen Vollpfosten.
Und ich hatte - und habe - Mitleid mit den Hunden, mit der schlechten Aufzucht, Haltung, der Quälerei des "Scharfmachens" (erinnert sich noch jemand an die Videos von damals?),  mit dem Mißbrauch der Hunde als Statussymbol.

Ich weiß aber auch, dass die (Vor-?) Urteile gegen diese Rassen sehr oft die falschen treffen. Aber hier gilt für mich: Gefahrenabwehr geht ganz klar vor. Von daher: Ich möchte nicht, dass sich jeder bestimmte Hunde einfach so kaufen kann. Weder Leute, die damit anderen Angst machen wollen - noch Leute, die in völliger Verkennung der Rasseneigenschaften die Hunde als regenbogenpupsende "Kampfschmuser" verklären und schon jegliche Nennung einer Rasse in einem Zeitungsbericht als "Hetze" verurteilen.

Womit ich jetzt, nach langer Präambel, bei meinem Thema bin.

Überall liesst man diese Aussagen, nicht nur von den "Kampfschmuser-Uschis", sondern auch von den mehr oder weniger qualifizierten und mehr oder weniger medienerprobten Hundetrainern. Ich greife mal die Worte von Thomas Riepe heraus (hier der ganze Artikel):

Hundepsychologe Thomas Riepe hält wenig von solchen Zuschreibungen, er sagt: "Es gibt keine Rasse namens Kampfhund." Selbst aus einem Pudel oder einem Chihuahua könne man einen aggressiven Hund machen.
Ach ja?

Natürlich kann ein Pudel oder Chi aggressiv werden.  Es gab aber, in all den Statistiken, die ich finden konnte, keinen dokumentierten Fall, wo ein Pudel oder gar ein Chihuahua einen Menschen getötet hat. Es gibt Beißvorfälle, ja. Aber wie man allen Ernstes im Zusammenhang mit einer tödlichen Attacke auf zwei Menschen mit dem Pudel-Vergleich um die Ecke kommen kann - Geht's noch??

Es wäre mir ja egal, wenn sich Leute unbedingt lächerlich machen möchten. Aber das ganze Gelaber: Das Problem ist am anderen Ende der Leine - kein Hund kommt aggressiv auf die Welt - man kann aus jedem Hund einen gefährlichen Hund machen - das führt doch direkt zur Schlussfolgerung: Von JEDEM Hund geht Gefahr aus. 

Ich finde das einen Schlag ins Gesicht aller derer, die sich bewusst eine Rasse mit niedrigem Aggressionspotential suchen. Aller Züchter, die sich darum bemühen, wesensfeste Hunde mit wenig Aggressivität zu züchten. Es ist eine Missachtung der Tatsache, dass züchterische Selektion natürlich Rassen hervorgebracht hat, die ein sehr viel niedrigeres Aggressionspotential haben - weil sie z.B., wie der Labbi, bei der Jagdgesellschaft ruhig zwischen Menschen und Hunden liegen sollten, bis sie ihre Arbeit tun durften. 

Menschen haben auf der anderen Seite auch Schutzhunde gezüchtet, die gegen Eindringlinge und Gefahren mutig und entschlossen vorgehen sollen. Jeder, der einen DSH oder Mali zum Diensthund ausbildet, braucht genau diesen Mut und dieses Potential, die Härte und Schärfe - so jemand wird einem aber auch nicht erzählen, dass er einen "Kampfschmuser" hat, sondern weiß, dass der Hund angemessen ausgebildet und geführt werden muss. 

Ich möchte den Hundeführer sehen, dem es gelingt, aus meinem Pudel einen Hund zu machen, der ernsthaft schützt. Nicht kläfft und schnappt, sondern sich verbeißt, nicht loslässt, bis das Opfer reglos bleibt, nicht ablässt, wenn er geschlagen und getreten wird. 

Dafür hat der Pudel nicht das Zeug. Und das soll er auch nicht! Kein Trainer der Welt kann egal mit welchen Methoden, den Biss, den Mut, die Entschlossenheit und die Körperkraft an einen Hund "dranerziehen", die er braucht, um einen Menschen zu töten
Das muss im Hund stecken - gewollt, züchterisch herausselektiert, über eine lange Zeit. 

Menschen haben viele Spezialisten gezüchtet, zur Jagd, zum Hüten - und zum Kampf, gegen Bullen, gegen andere Hunde. Jagdhunde, Hütehunde, Kampfhunde. 
Ausführlich, kompetent und wie gewohnt auf den Punkt gebracht von Dr. Rückert: Heilig, heilig, heilig ist der Kampfhund


Aber statt einfach mal anzuerkennen, dass eben nicht jeder Hund nur das Produkt von Erziehung ist (wäre ja schön, wenn Erziehung so einfach und so effektiv wäre), statt dessen gibt man sich nun alle Mühe, der ohnehin verstörten Öffentlichkeit auch noch einzureden, dass jeder Pudel, jeder Labbi und sogar jeder Chihuahua potentiell gemeingefährlich ist.

Danke auch. 

Ja, ich weiß, Rasselisten treffen oft die falschen. Nun dafür zu sorgen, dass es NOCH MEHR falsche trifft - das ist mal echt ne kreative Lösung. 








Ich bin dann mal weg

Mal eben "Missing in Action" - nix ist schlimmer, oder? Ich mache mich immer völlig verrückt, wenn Hund abhanden gerät. Und damit meine ich: einige Minuten. Länger hatten wir das Gott sei Dank noch nie.
Wenn sowas passiert, dann bin ich tagelang sauer, enttäuscht, wütend auf mich selbst, auf den Hund, habe Schuldgefühle, volles Programm.

Heute fragte ich eine nette Hundehalterin nach dem Befinden ihres humpelnden Hundes. Ja, der hat sich wohl was vertreten. Sie waren auf dem Feld, und er hatte soviel Spaß da, und ist so schnell gerannt und gerannt und dann war er weg.

Oh, sage ich, ja da gibt es Hasen, da muss ich auch aufpassen. Jaja, gings weiter, deswegen ist er ja gerannt, er hat da immer so viel Spaß!

Oh, denke ich diesmal nur. Wieder mal einer, der nicht jagt....

Jedenfalls, sie haben ihn dann gesucht, und dann nach einer Stunde gefunden, im Feld, er konnte nicht mehr laufen, muss sich den Fuß vertreten haben.
Sie haben ihn gefunden, zum Glück, Tierarzt, Physio, so langsam wird es wieder.

Aber wie schrecklich, wenn man da seinen Hund sucht, und sich Sorgen macht... Ach, sagt das nette Frauchen, man gewöhnt sich auch dran. Früher ist er ja schon immer ausgebüxt. Beim dritten Mal mussten sie dann was zahlen im Tierheim... 30 Euro! Lassen Sie den endlich kastrieren, haben die dann gesagt. Haben sie dann auch gemacht. Jetzt ist es besser.

Also, entweder gewöhnt man sich an alles oder ich bin ich überdurchschnittlich besorgter Hundehalter. Für meine Nerven wäre sowas ja nix....