Alphawurf

Sam ist ein großer, sehr ernster Border Collie aus Showzucht. Sehr groß und kräftig für einen Border Collie. Sam läuft immer ohne Leine schnurstracks vor seinem Herrchen oder Frauchen her, etwa 20 Meter vorneweg, guckt nicht links und nicht rechts.

Wenn Blacky Sam von weitem sieht, dreht er sofort auf dem Absatz um, zieht den Kopf ein, legt die Ohren zurück und läuft zielstrebig in die entgegengesetzte Richtung.  Wenn ich an Sam vorbeilaufen wollte, müsste ich Blacky an der Leine hinterher ziehen. Blacky möchte definitiv NICHT in Sams Nähe kommen. Auch nicht mit meiner Deckung, der er sonst immer vertraut.

Dabei guckt ihn dieser Hund nicht mal an.

Sam ist ein Alpha-Tier. Sam kann Alpha-Wurf.

Als Blacky noch sehr jung war, war Sam gnädig (Sam kann auch "Welpenschutz") und hat sich sogar ein gaaanz kleines bisschen für den Jungspund interessiert. Bis zu dem Tag, als Blacky ein Stadium der Adoleszenz erreicht hatte, in dem er nicht mehr in Sams Territorium geduldet war.

Das ging so schnell, dass ich es nicht mal richtig gesehen habe. In einem Moment nähert sich Blacky pudelgrinsend und popowackelnd dem größeren Rüden - im nächsten liegt er absolut reglos auf dem Rücken, der Border Collie über ihm. Mit einem Gesichtsausdruck wie der böse Löwe aus dem Disney-Film. Lautlos und völlig ohne Umschweife. Kein Knurren, kein Drohen, Zack.

Herrchen hat seinen Hund runter gepflückt, es ist nichts passiert, eigentlich habe ich seither schlimmere, lautere Rüdenangriffe mit mehr Zähnen erlebt, aber nichts hat Blacky jemals so nachhaltig beeindruckt. Er hat Sams Überlegenheit komplett und unzweifelhaft anerkannt. Der Alpha-Wurf war eindeutig erfolgreich!

Seitdem frage ich mich; Wie kann man ernsthaft meinen, man könne nach diesem Vorbild einen Hund erziehen? Will ich, dass mein Hund nur eins im Sinn hat, wenn er mich sieht - nämlich: "Bloss Abstand halten?"

Wer solche Dominanz-Geschichten für artgerechte Erziehung hält, der sollte sich klar machen: Wölfe mögen um Territorium und um Weibchen kämpfen (ich weiß es nicht genau, ob und worum Wölfe in freier Natur kämpfen) - aber sie  kämpfen nicht um Anführerschaft. Sie gründen keine Beziehung auf solche Auseinandersetzungen. Der Unterlegene wird nicht zum Gefolgsmann. Der hat sich zu verpissen, Punkt.

Blacky will Sam nicht folgen, nicht seine Befehle ausführen, nicht mit ihm jagen gehen oder sonst was. Und er ist für Sam nicht Beta oder Omega, sondern einfach nur Luft - solange er es nicht wagt, sich zu nähern. 

Aber das würde Blacky im Traum nicht einfallen. Respekt hat er vor Sam, das sicherlich - aber nicht die Art von Respekt, die ich gerne entgegengebracht bekomme von meinem Hund.

Echt jetzt ® ?!?

"Ein Markenlabrador aus dem Hause Mingan®"

So steht es in einer ebay-Kleinanzeige (wo sonst sollte man seine Hunde aus einem "Zuhause mit Niveau" - Zitat - auch sonst zum Kauf anbieten?). Die Markenhunde gibt es in"Light mingan® Silber" und "Light mingan® Charcoal". Schick.
Nach kurzem Kopfschütteln habe ich mich mal auf die Suche gemacht nach weiteren Markenhunden. Ich kannte das bisher nur vom Elo® und dem davon abgespaltenen Canilo®. Greift das nun etwa um sich? Kommt nach der Doodlewelle und den Edelkreuzungen, Hybriden und Designerdogs, von Swissydog über Rassmo bis RiDo, nun die Markenhunde-Mode? Es scheint fast so...

Da gibt es z.B. den (Zitat)  "ersten Markenwolfhund überhaupt, der Lycanis Wolfdog®". Das Copyright macht den Hund doch irgendwie gleich hochwertiger...  Wäre doch super, wenn es den Lycanis Wolfdog® auch bald in Light mingan® Silber gäbe.

Man muss freilich nicht lange suchen, um auch bei den Markenhunden die Spuren des Pudels zu finden. Sie sind halt einfach überall. Auch im  Chiwalonka®. Der Chiwalonka® ist als Wortmarke eingetragen beim Deutschen Marken- und Patentamt, erfahre ich. Zuerst. Ach so - und es sind Mischlinge aus Chihuahua, Bolonka und Toypudel, wie man rausfindet, wenn man weiterliesst. Mix® verkauft sich aber wohl nicht so gut wie Markenhund®.

Denn letztendlich - worum geht es hier? Um den Rubel, der rollt. Oder?
Patente auf Lebewesen sind doch irgendwie hässlich - auf Gene, auf Saatgut, auf Hunderassen. Naja, immerhin werden hier nur mehr oder weniger alberne Namen (die Wortmarken) geschützt, und gar nicht das, was dahinter steckt, auch wenn den Käufern damit etwas anderes suggeriert wird. Die glauben nämlich, sie bekämen eine herausragende Qualität angeboten, einen irgendwie "besseren" Hund.  Gesund und schön und außergewöhnlich, dabei unkompliziert und für jeden geeignet - eben ein Traumhund®. Sowas darf doch auch mal mehr kosten!
Was man kriegt, ist schlicht und einfach ein (mit mehr oder weniger Sorgfalt gezüchteter) Hund, eben mit einem ausgefallenen Namen. Und ggf. einer Sonderlackierung, die man komischerweise nie und nirgends bei reinrassigen Labradoren findet (und das Einbringen des Dilute-Gens, das dafür verantwortlich ist, kann man auch sehr kritisch betrachten.)
Wer's braucht.




Gegenverkehr

Heute morgen im Wald. Ich laufe so daher, mitten auf dem Weg. Kommt uns ein alter Mann mit Walkingstöcken entgegen. Auch mitten aus dem Weg. Ich also Hund ins Fuß und an den Wegrand. Und da Blacky nun mal links von mir Fuß geht, an den linken Wegrand.

Und der Oppa? Macht das auch. Also, mein Links, sein Rechts.

So einer, denke ich. Das kenne ich ja schon - die Leute müssen ja irgendwie immer versuchen, außen am Hund vorbei zu gehen. Warum? Das frage ich mich schon lange. Aber egal, man kann ja schon froh sein, wenn sie sich nicht zwischen mir und dem Hund durchquetschen wollen...

Meine eiserne Regel lautet nun aber: Hund immer außen. Ob mit oder ohne Leine. So können sehr viele Probleme und Missverständnisse überhaupt nicht erst entstehen. Der Hund hat Orientierung, kann sich sicher fühlen, ich habe Kontrolle über die Situation. Es wird niemandem vor die Füsse gelaufen, es kann kein ungewollter Kontakt aufgenommen werden, ob von Hund oder Mensch, der Hund weiß 100%ig: Ich habe mich um diese Situation einfach nicht zu kümmern. Geht mich nix an, ist nicht mein Problem. Gucken darf man natürlich, aber sonst passiert einfach NIX, nada, null. Ob da ein Hund ausrastet, ein Kind schreit, jemand lockt und schnalzt, Stöcke klappern. Diese grundsätzliche Übereinkunft macht das Leben einfach leichter.

Nun könnte ich die Seite wechseln und den Hund nach rechts nehmen. Geht ja auch. Mache ich auch oft - aber erstaunlich häufig gehen die entgegenkommenden Leute dann auch auf die andere Seite... siehe oben.
Da in diesem Fall ein breiter Seitenstreifen zur Verfügung steht, mache ich es mir leichter und gehe halt noch ein bissel weiter links.

Der Oppa aber auch.

Er hat offensichtlich auch seine Prinzipien.

Ich bleibe also einfach stehen, vor/neben dem Hund, und denke mir: Dann stöckel halt vorbei... Ist ja nicht so als ob ich es irgendwie eilig hätte.

Der Oppa steuert unbeirrt auf uns zu.

Da kommt mir jetzt der Umgang mit den Pferden zugute - die trainieren einen sehr effektiv darin, sich darüber bewusst zu werden, ob man sich bewegen lässt oder nicht. In meinem Fall: Nicht. Ist ja nicht so, als hätte ich Oppa nicht schon den kompletten Weg frei gemacht. Ich gucke also gelangweilt vor mich hin und warte. Bleibt der Oppa (ok, genug mit der Respektlosigkeit, der ältere Herr) stehen und ranzt mich an:

"Warum müssen Sie jetzt unbedingt links gehen?"

Hä?

Aber fragen ist ja immer gut. Ich also lieb und nett erklärt, dass es immer besser ist, wenn der Hund außen ist, so kann niemand angesprungen oder beschnüffelt werden, und der Hund hat keine Angst, denn viele Hunde mögen Walkingstöcke nicht, usw usf.

"Dann lassen Sie den halt rechts laufen!!"

Äh.. naja, der Hund geht Fuß und das hat er nun mal links gelernt, das macht man so (muss jetzt der Herr ja nicht wissen, dass er das auch rechts kann. außerdem kann er es links tatsächlich besser, weil zuerst und intensiver geübt, wegen der Begleithundeprüfung und so.)

"Ist der gefährlich?"

Hä?? Nein.

"Man geht rechts auf dem Weg!!"

Alles klar. An diesem Punkt habe ich mich entschieden, den guten Mann mit seinem gutbürgerlichen Ordnungssinn einen guten Mann sein zu lassen und bin wortlos weiter. (Mit dem Hund aussen selbstverständlich.)

Beim nächsten Mal nehme ich ne Lampe mit und blinke, bevor ich abbiege.


Morgenspaziergang


Heute getroffen:

Ein Aussie, der es geschafft hat, einen Riesen-Ast UND sein Bällchen gleichzeitig herumzutragen.
Eine Herde Schafe.
Ein Langhaar-Weimeraner. Wusste gar nicht, dass es das gibt. 8 Monate alt und weiß jetzt, dass Pudel giftig werden, wenn man ihnen eine Pfote auf den Rücken haut.
Eine Ziege, die wohl zur Schafherde gehörte, sich aber abgesetzt hat.
Viele Kaninchen. Nach dem ersten Anstarten, Rückrufen, Leberwurst-Schlecken uninteressant. Wenns doch bei Hasen genauso wäre!
Ein dicker Labbi, der auch ganz genau zwischen Hasen und Kaninchen unterscheiden kann, sagt sein Frauchen.

Und was halt sonst noch so rumläuft.

Fotobombe


Der blöde Spruch der Woche

"Macht nicht den Fehler, Hunde wie Menschen zu behandeln, sonst behandeln sie euch wie Hunde!"

Klingt ja irgendwie clever und witzig, auf den ersten Blick. Aber bei näherem Hinsehen - was soll das bedeuten? Gemünzt ist es wohl einfach auf typische Missverständnisse, insbesondere was körperliche Nähe oder Blickkontakt angeht. Wir Primaten mögen Umarmungen, kraulen gerne mit unseren Händen - so wie unsere Vorfahren sich lausten - suchen direkten Blickkontakt usw.
Hunden ist ihre Individualdistanz wichtig - und ihre Art, primatenhafte Übergriffe zu verhindern, ist Knurren oder Abschnappen. Ja, das ist das häufigste Missverständnis unserer beiden Spezies.

Der Weg, das zu lösen, ist aber tatsächlich nicht nur einerseits, die Signale des Hundes zu lesen und zu beachten, ihn also als Hund zu behandeln. Sondern tatsächlich andererseits, ihn wie einen Menschen zu behandeln - nämlich mit Respekt. Und ihm das Menschenverhalten verständlich und sogar angenehm zu machen. Hunde können sehr wohl lernen, Blickkontakt aufzunehmen, und es gehört ja sogar zu den Domestikationsmerkmalen, dass sie Blickkontakt suchen. Gleiches gilt für Berührungen. Es gibt Hunde, die es nicht mögen, und das sollte man respektieren - aber WER hatte noch nie einen wohlig grunzenden Hund neben sich auf dem Sofa, der sich ganz uncanidenhaft das Bäuchlein kraulen lässt?

Was einen Hund zum Hund macht - das ist doch genau das: Seine Beziehung zu  uns Menschen.

Was mich an diesem vordergründig cleveren, aber eigentlich einfach nur dummen Spruch genervt hat: Er fiel im Zusammenhang mit dem Vorfall um Chico. Einem Hund, der zwei Menschen getötet hat.

Hier das Interview dazu, im WDR: klick

Nichts an dem Verhalten dieses Hundes könnte man so umschreiben, er habe seine Besitzer "wie Hunde behandelt".  Es mag sein, dass Rassen, die explizit für Hundekämpfe gezüchtet wurden - Kampfhunde eben - tatsächlich bis zum Tod kämpfen. Unter Missachtung der Gefahr für das eigenen Leben, trotz Gegenwehr. Normalerweise verlaufen Kämpfe im Tierreich aber nicht so, es gibt Gegenbeispiele (See-Elefanten kämpfen oft bis zum Tod), aber unter Caniden ist das kein normales Verhalten. Auch wenn der Mensch viele Hemmschwellen weggezüchtet hat - es bleibt ein Extrem.  Hunde behandeln sich gegenseitig nicht so.

Nicht von Geburt an (obwohl züchterische Selektion dafür gesorgt hat, dass es durchaus kampfbereite, entschlossene Hunde gibt, auch wenn die Kampfschmuser-Fraktion das gerne verharmlost), und auch anerziehen kann man so ein Extrem-Verhalten nur begrenzt. Man kann eben nicht aus einem Pudel einen Kampfhund machen. Keinen erfolgreichen jedenfalls.

Und der erste Teil des Spruches? "Macht nicht den Fehler, Hunde wie Menschen zu behandeln?" - DAS soll das Problem in diesem Fall sein? Geht's noch? Im Käfig halten, auf den Balkon kacken lassen, "scharf" machen? Chico - zu sehr vermenschlicht?

Natürlich hat der nette Tierarzt das im Interview nicht so gemeint. War ja mehr so allgemein gesprochen. Aber Anlass war der Fall Chico, ein außerordentlicher, außergewöhnlicher Fall, aus dem sich absolut keine Rückschlüsse auf normales Hundeverhalten ziehen lassen. Da gibt's kein "allgemein".

Aber es müssen ja unbedingt alle "Experten", die nicht bei 3 auf dem Baum sind, vor einen Kamera gezerrt werden und irgendeinen Senf abgeben. Ob's die üblichen medienerprobten Trainer sind, die sich gerne als große Hundebändiger gerieren, Verhaltenspsychologen oder Tierschützer - Hauptsache, jeder labert irgendwas daher, was mit Chico einfach gar nichts mehr zu tun hat. Solange es nur gut klingt.

Chico wurde erst als Waffe missbraucht, dann als Projektionsfläche für fehlgeleitete Tierschützer und jetzt noch als prima Gelegenheit für allerlei medienaffine Verhaltenspsychologen,  Hundetrainer oder Tierärzte, auch mal schlaue Sprüche im Fernsehen abzulassen.

Dass über den Fall Chico geredet wird, ist verständlich und muss sein. Aber dann redet doch auch über Chico. Chico ist kein Beispiel für alle Hunde.

Nehmt diesen schrecklichen Einzelfall als das was er ist: ein Einzelfall. 

Chico und die Chihuahuas

Wie derzeit ein absolut außergewöhnlicher, tragischer Vorfall für alle möglichen Anliegen instrumentalisiert wird, lässt mich wirklich fassungslos zurück.

Die Menschenverachtung und Dummheit von sogenannten Tierschützern, die auf Facebook und anderswo ungehemmt Kommentare übelster Sorte absondern. Das Versagen und Herumlavieren von Behörden, die schon vor Jahren all das hätten verhindern können und müssen. Die völlige Verharmlosung der Gefahr, die erwiesenermassen von diesem Hund ausgeht, zwei tote Menschen sind tragischer Beweis dafür. Die unsägliche Gleichsetzung von Gefahrenabwehr mit einer deplatzierten Diskussion über Schuld und "Todesstrafe". Die Mediengeilheit eines Tierheims, das es fertigbringt, einen Hund, der Menschen getötet hat, der aufgrund von schlechter Sozialisierung und Haltung, bewussten "Scharfmachens" und akuten Schmerzen gefährlich wurde, ohne Maulkorb auf einer Straße spazieren führen zu lassen - wozu? Um sich als heldenhafte Resozialisierer von der "Free Chico" Bewegung feiern zu lassen?

Einen Aspekt möchte ich mir aus all dem herausgreifen.

Aber zuerst, vorausgeschickt: Ich bin zwiegespalten, was die "Rasselisten" und Kampfhundgesetze angeht, möchte mich nicht als "Pro" bezeichnen, aber kann auch nicht ehrlich behaupten, "Contra" zu sein.

Auch wenn das - ähnlich wie "Ich verwende Bavecto" oder "Mein Hund ist kastriert" oder "Ich füttere Trockenfutter" eine Aussage ist, die einem in gewissen Kreisen ordentlichen Gegenwind einbringt - ich stehe dazu.

Das Verschwinden der Kampfhunde aus den Parks und den zwielichtigen Ecken des Viertels, in dem ich als Studentin wohnte, nach dem Tod des kleinen Volkan im Jahr 2000 - ich habe dieses Verschwinden mit ehrlicher Erleichterung begrüßt. Ich hatte - und habe - Angst vor großen, starken Hunden mit Aggressionspotential in den Händen von jugendlichen Angebern und anderen Vollpfosten.
Und ich hatte - und habe - Mitleid mit den Hunden, mit der schlechten Aufzucht, Haltung, der Quälerei des "Scharfmachens" (erinnert sich noch jemand an die Videos von damals?),  mit dem Mißbrauch der Hunde als Statussymbol.

Ich weiß aber auch, dass die (Vor-?) Urteile gegen diese Rassen sehr oft die falschen treffen. Aber hier gilt für mich: Gefahrenabwehr geht ganz klar vor. Von daher: Ich möchte nicht, dass sich jeder bestimmte Hunde einfach so kaufen kann. Weder Leute, die damit anderen Angst machen wollen - noch Leute, die in völliger Verkennung der Rasseneigenschaften die Hunde als regenbogenpupsende "Kampfschmuser" verklären und schon jegliche Nennung einer Rasse in einem Zeitungsbericht als "Hetze" verurteilen.

Womit ich jetzt, nach langer Präambel, bei meinem Thema bin.

Überall liesst man diese Aussagen, nicht nur von den "Kampfschmuser-Uschis", sondern auch von den mehr oder weniger qualifizierten und mehr oder weniger medienerprobten Hundetrainern. Ich greife mal die Worte von Thomas Riepe heraus (hier der ganze Artikel):

Hundepsychologe Thomas Riepe hält wenig von solchen Zuschreibungen, er sagt: "Es gibt keine Rasse namens Kampfhund." Selbst aus einem Pudel oder einem Chihuahua könne man einen aggressiven Hund machen.
Ach ja?

Natürlich kann ein Pudel oder Chi aggressiv werden.  Es gab aber, in all den Statistiken, die ich finden konnte, keinen dokumentierten Fall, wo ein Pudel oder gar ein Chihuahua einen Menschen getötet hat. Es gibt Beißvorfälle, ja. Aber wie man allen Ernstes im Zusammenhang mit einer tödlichen Attacke auf zwei Menschen mit dem Pudel-Vergleich um die Ecke kommen kann - Geht's noch??

Es wäre mir ja egal, wenn sich Leute unbedingt lächerlich machen möchten. Aber das ganze Gelaber: Das Problem ist am anderen Ende der Leine - kein Hund kommt aggressiv auf die Welt - man kann aus jedem Hund einen gefährlichen Hund machen - das führt doch direkt zur Schlussfolgerung: Von JEDEM Hund geht Gefahr aus. 

Ich finde das einen Schlag ins Gesicht aller derer, die sich bewusst eine Rasse mit niedrigem Aggressionspotential suchen. Aller Züchter, die sich darum bemühen, wesensfeste Hunde mit wenig Aggressivität zu züchten. Es ist eine Missachtung der Tatsache, dass züchterische Selektion natürlich Rassen hervorgebracht hat, die ein sehr viel niedrigeres Aggressionspotential haben - weil sie z.B., wie der Labbi, bei der Jagdgesellschaft ruhig zwischen Menschen und Hunden liegen sollten, bis sie ihre Arbeit tun durften. 

Menschen haben auf der anderen Seite auch Schutzhunde gezüchtet, die gegen Eindringlinge und Gefahren mutig und entschlossen vorgehen sollen. Jeder, der einen DSH oder Mali zum Diensthund ausbildet, braucht genau diesen Mut und dieses Potential, die Härte und Schärfe - so jemand wird einem aber auch nicht erzählen, dass er einen "Kampfschmuser" hat, sondern weiß, dass der Hund angemessen ausgebildet und geführt werden muss. 

Ich möchte den Hundeführer sehen, dem es gelingt, aus meinem Pudel einen Hund zu machen, der ernsthaft schützt. Nicht kläfft und schnappt, sondern sich verbeißt, nicht loslässt, bis das Opfer reglos bleibt, nicht ablässt, wenn er geschlagen und getreten wird. 

Dafür hat der Pudel nicht das Zeug. Und das soll er auch nicht! Kein Trainer der Welt kann egal mit welchen Methoden, den Biss, den Mut, die Entschlossenheit und die Körperkraft an einen Hund "dranerziehen", die er braucht, um einen Menschen zu töten
Das muss im Hund stecken - gewollt, züchterisch herausselektiert, über eine lange Zeit. 

Menschen haben viele Spezialisten gezüchtet, zur Jagd, zum Hüten - und zum Kampf, gegen Bullen, gegen andere Hunde. Jagdhunde, Hütehunde, Kampfhunde. 
Ausführlich, kompetent und wie gewohnt auf den Punkt gebracht von Dr. Rückert: Heilig, heilig, heilig ist der Kampfhund


Aber statt einfach mal anzuerkennen, dass eben nicht jeder Hund nur das Produkt von Erziehung ist (wäre ja schön, wenn Erziehung so einfach und so effektiv wäre), statt dessen gibt man sich nun alle Mühe, der ohnehin verstörten Öffentlichkeit auch noch einzureden, dass jeder Pudel, jeder Labbi und sogar jeder Chihuahua potentiell gemeingefährlich ist.

Danke auch. 

Ja, ich weiß, Rasselisten treffen oft die falschen. Nun dafür zu sorgen, dass es NOCH MEHR falsche trifft - das ist mal echt ne kreative Lösung. 








Ich bin dann mal weg

Mal eben "Missing in Action" - nix ist schlimmer, oder? Ich mache mich immer völlig verrückt, wenn Hund abhanden gerät. Und damit meine ich: einige Minuten. Länger hatten wir das Gott sei Dank noch nie.
Wenn sowas passiert, dann bin ich tagelang sauer, enttäuscht, wütend auf mich selbst, auf den Hund, habe Schuldgefühle, volles Programm.

Heute fragte ich eine nette Hundehalterin nach dem Befinden ihres humpelnden Hundes. Ja, der hat sich wohl was vertreten. Sie waren auf dem Feld, und er hatte soviel Spaß da, und ist so schnell gerannt und gerannt und dann war er weg.

Oh, sage ich, ja da gibt es Hasen, da muss ich auch aufpassen. Jaja, gings weiter, deswegen ist er ja gerannt, er hat da immer so viel Spaß!

Oh, denke ich diesmal nur. Wieder mal einer, der nicht jagt....

Jedenfalls, sie haben ihn dann gesucht, und dann nach einer Stunde gefunden, im Feld, er konnte nicht mehr laufen, muss sich den Fuß vertreten haben.
Sie haben ihn gefunden, zum Glück, Tierarzt, Physio, so langsam wird es wieder.

Aber wie schrecklich, wenn man da seinen Hund sucht, und sich Sorgen macht... Ach, sagt das nette Frauchen, man gewöhnt sich auch dran. Früher ist er ja schon immer ausgebüxt. Beim dritten Mal mussten sie dann was zahlen im Tierheim... 30 Euro! Lassen Sie den endlich kastrieren, haben die dann gesagt. Haben sie dann auch gemacht. Jetzt ist es besser.

Also, entweder gewöhnt man sich an alles oder ich bin ich überdurchschnittlich besorgter Hundehalter. Für meine Nerven wäre sowas ja nix....


Und da läuft der einfach so mit?

Sowohl beim Radeln als auch beim Reiten werde ich das öfter gefragt: "Und der läuft da einfach so mit?"

Ich sage dann immer: "Meistens!"

Natürlich läuft mein Hund nicht immer und überall problemlos "einfach so" mit. Über unsere Rückschläge schreibe ich hier ja auch immer wieder. Im Großen und Ganzen klappt es gut, es hat einiges an Übung erfordert, und natürlich klappt nicht immer alles genau so, wie ich das möchte.

Es kann auch was schief gehen, immer. Dass mein Hund quer übers Feld einem Hasen nachgeht? Dass er zu einem anderem Hund hinrennt? Dass er auf eine Straße läuft? Das sind natürlich alles Risiken, die man eingeht, wenn der Hund frei läuft. Das ist so, und da muss man sich auch nix vormachen. Es gibt Menschen, für die muss die nächste Straße mindestens zwei Kilometer weit weg sein, bevor sie es für vertretbar halten, abzuleinen. Andere leinen ihren Hund auch an der Bundesstraße nicht an. Ich kriege die Krise, wenn ich den einen Nachbar beobachte, der andere Nachbar kriegt eine, wenn er mich beobachtet.

Ich persönlich finde es ganz schlimm, wenn unverträgliche Hunde frei laufen - heute morgen hatten wir erst wieder so einen Angriff. Den Rüden kennen wir schon, und er liess sich auch dieses Mal wieder durch einen ordentlichen Brüller verjagen. Schreck für mich, Schreck für den Pudel.

Die Besitzer von "Loki" finden natürlich, das Risiko, dass da mal ein Pudel entgegenkommt, sei zu vernachlässigen. Es leben ja alle noch. Ist ja nix passiert... Und sie werden Loki auch weiterhin frei laufen lassen, wenn sie gerade keinen anderen Hund sehen.

Haben die jetzt mehr Unrecht als ich, wenn ich sage: Es passiert, dass der Hund hinter Wild herspringt? Nicht oft, es soll nicht passieren, ich will es nicht rechtfertigen, ich arbeite dran - aber nein, ich kann nicht garantieren, dass mein Hund nicht ein Stück weit hinterhergeht, wenn uns was für die Füße läuft. Trotzdem ist mein Hund nicht immer und überall angeleint.

Das ist der Grund, warum ich Lokis Frauchen (die ja auch ganz bedröppelt war) nicht angemeckert habe. Es war unangenehm, aber es ist ja wirklich nichts passiert, und wir kamen auch wirklich etwas überraschend um die Ecke.

Das Leben ist eine Grauzone. Ich bin froh dass ich mit meinem "Meistens läuft es gut!" durchkomme. Es hilft natürlich, einen ziemlich harmlosen Hund zu haben, der auch dann tendenziell keinen Schaden anrichtet, wenn er nicht hört. Aber eine Garantie habe ich nicht, die hat niemand.

Auf jeden Fall sollte man sich immer im Klaren darüber sein, dass das Leben eine ständige Risikoabwägung ist. Der eine lässt den Hund ungesichert auf der Rückbank im Auto fahren, der andere bindet ihn vor dem Supermarkt an, der nächste lässt ihn alleine im Garten, ohne den Zaun mindestens zwei Meter hoch zu ziehen,  der übernächste wirft mit Stöckchen, und wieder jemand anders lässt ein 10jähriges Kind alleine Gassi gehen. Oder den Hund frei laufen, ohne dass der SuperDuperMegaPfiff zu 150% sitzt.

Wer nun den ersten Stein wirft, (aber niemals das nächste Stöckchen), der ist vermutlich ein besserer Hundehalter als ich. Ich bin sicher, davon gibt es eine ganze Menge.

PS:
Apropos Superrückpfiff. Ein kürzlich geführtes Gespräch darüber ging in etwa so (Kurzfassung):

A: Der Super-Pfiff, der klappt immer!
Hund entschwindet am Horizont.
B: Und warum benutzt du jetzt nicht den Super-Pfiff?
A: Jetzt würde er nicht reagieren, und dann mache ich mir den Super-Pfiff damit kaputt!



Die rote Zora und ihre Bande


Mitte: Die Chefin.
Hinten: The Brain.
Links und Rechts: Die Bodyguards. Ganz harte Typen.


Im Fotoalbum gekramt

Aus den Zeiten vor der Digitalfotografie habe ich noch eine Schublade mit Fotos - alles durcheinander, Urlaube aus dem letzten Jahrtausend, Babybilder, Schulfotos....
Ein wohlsortiertes Fotoalbum ist auch was sehr schönes, aber ich mag auch das Durcheinander, weil man immer wieder über irgendwas stolpert, woran man ewig nicht mehr gedacht hat.
Heutzutage hat man statt einer Schublade alle möglichen Ordner auf Festplatten, USB-Sticks und Online-Foto-Alben. Klicken statt Kramen... Von der Welpenrauferei bis zur Begegnung zweier Lockentiere: Ein paar Momentaufnahmen aus dem Leben des Mr. Black.



 


Frühling

So, wir haben die erste kleine Tour mit dem Rad gemacht und die neue Frühlingsfrisur (böse Zungen nennen es auch Kahlschlag) gelüftet. Endlich wieder sportlich - also, der Hund.








Die süße Hilde

Zugegeben, ich hätte das Buch von selbst nicht in die Hand genommen  - zu rosa irgendwie - wenn es nicht zur Vorbereitung eines Interviews nötig gewesen wäre. Und jetzt mag ich es gerne weiterempfehlen.

Natürlich spielt die Autorin mit bekannten Klischees. Aber statt platt und vorhersehbar zu sein, steckt das Buch voller treffsicheren Beobachtungen und Einsichten. Und genau der richtigen Dosis an Gefühl. Denn wir Hundebesitzer möchten zwar über uns selbst lachen, aber trotzdem auch verstanden werden....

Hilde ist ja obendrein auch noch ein halber Pudel. Die Begegnung mit Hilde und ihrem Frauchen hat mir viel Spaß gemacht. Hier gibts ein Video vom Interview - und wer da nicht von Hildes Charme eingewickelt wird, der hat kein Herz.


Der Pelz ist ab

Ich hatte es so satt. Den Winter, den Frost, die Wolle. Wegen der fiesen Kältewelle mussten die Locken ja viel länger draufbleiben als sonst. Ich mag den Hund ja lieber in Kurzhaar....
Der Pudel sieht jetzt wieder ziemlich unpudelig-spillerig aus, im Vergleich zu vorher - aber ich habe den Eindruck, er fühlt sich jetzt auch ganz wohl so.


Man liesst ja immer, Pudel seien so pflegeintensiv.
Seit Blacky Erwachsenenfell hat, bürste ich ja gar nicht mehr. Nur am Bauch kommt es manchmal zu filzigen Stellen, weil er sich da leckt, die schneide ich dann ab. Und das komplette Abscheren und Schneiden (ich mache Beine und Kopf mit der Schere, weil ich keine kleine Schermaschine habe) dauert knapp 20 Minuten. Alle paar Wochen. Wenns draussen matschig ist, gibts nach dem Ausritt ne Unterbodenwäsche in der Badewanne. Das war's dann auch schon.

Nur sieht mein Pudel halt nicht aus "wie ein Pudel". Aber damit kann ich ganz gut leben.