Coronazeit ist Welpenzeit

Im Lockdown blüht das Geschäft mit süssen Welpen. Wenigstens kommt es mir so vor. Ich weiß natürlich nicht, ob die Anschaffung der ganzen Welpen - überwiegend Mops und Französische Bulldogge - die mir gerade über den Weg laufen, vorher von langer Hand geplant war. Vielleicht ja. (Obwohl ich beim Anblick von Qualzuchtrassen immer von unüberlegten Käufen ausgehe, ich will einfach nicht glauben, dass man gut informiert einen solchen Hund kauft.)
Spontane Kleinanzeigen-Käufe, weil man ja gerade Zeit hat, sind keine gute Idee. Ich hoffe mal, dass nach der ersehnten Rückkehr der Normalität der Hund noch ins Leben passt.

Jedenfalls - eine amüsante Lektüre und zur Zeit gehäuft sind die "Welche Rasse empfehlt ihr mir?" Frage-Threads in Hundeforen. Erst kommt eine Liste mit Wünschen, wie der Hund sein soll.
Und dann eine Liste mit Rassen, die dem Fragenden am besten gefallen.
Und dann - fragt man sich, wie man um Gottes Willen auf diese Auswahl gekommen ist.

Gerade wieder gelesen: Hundeanfänger. Katze. Kind in Planung. Ach ja, und soll die Familie beschützen können. Mir schwant schon was...
Die Favoriten-Liste: Rottweiler. Cane Corso. Dobermann. Deutscher Schäferhund. Oooooder - ach ja: Französische oder Englische Bulldogge.

Ja, nee, passt super. Bei der Auswahl würde ja sogar ich die Bulldogge empfehlen...

Ein anderes Highlight: Ein netter Hund wird gesucht, der sich gut erziehen lässt und der immer und überall dabei ist. Vor allem im und am Wasser. Schwimmen, Kanufahren, alles, was mit Wasser zu tun hat, eine richtige Wasserratte.
Man hat sich bereits viele Gedanken gemacht und Rassen ins Auge gefasst.
Bevor ich weiterlese, denke ich: Logisch! Labrador. Golden Retriever. Pudel. Lagotto oder einer der anderen Wasserhunde. Passt.
Was kommt: Irischer Wolfshund und Bullterrier.

Jupp. Total naheliegend.

Ich weiß, ich bin böse. Aber ich verstehe es manchmal einfach wirklich nicht. Jeder zweite schreibt dann noch dazu: Aber bitte empfehlt uns keinen Pudel oder sowas. Wir wollen einen richtigen Hund! Ja, na dann, viel Spaß damit.

Deuschland geht Spazieren


Zur Zeit höre und lese ich überall von den Problemen durch die Corona-Isolation, das Alleinsein, der Verzicht auf Sozialkontakte - mir gehts da irgendwie ein bisschen anders.

Mir gehen die Menschenmassen auf den Keks.

Da ich immer noch arbeiten gehe, wo natürlich auch Abstandsregeln eingehalten werden, aber man trotzdem einiges an "Mensch" um die Ohren bekommt, in Person, am Telefon, über Videokonferenzen und Emails, bin ich danach eigentlich reif für meine Ruhe, den Hund und einen langen, ungestörten, entspannten Spaziergang... Nix da!

Gewohnte ruhige Gassistrecken sind plötzlich völlig überlaufen, es wird gejoggt, gewalkt, spaziert, geradelt. Und als Hundehalter ist man natürlich total im Weg, wo der Hund sonst laufen darf, liegen jetzt Picknickdecken, und jeder Wanderweg wird zur Fahrradrennstrecke.

Ein bisschen verkehrte Welt für mich. Wenn Corona überstanden ist, bin ich froh, endlich wieder ein bisschen mehr Einsamkeit geniessen zu dürfen :-)

Trotzdem freut es mich natürlich auch, dass wir alle noch ins Freie dürfen, dass Eltern mit Kindern zum Spielen raus können und das schöne Wetter die Situation erträglicher macht. Also nix für ungut - und bleibt alle gesund!






Böenartiger Wind aus Nordwest


Warum müssen Hunde lernen, zu Schlafen?



Erwachsene Hunde schlafen 16 Stunden und mehr am Tag, Welpen um die 20. Herumliegen und Dösen ist die Hauptbeschäftigung eines Hundes.  Wie es sich für Raubtiere gehört - Energieverschwendung wäre unsinnig.

Warum soll er das Ruhen also Lernen müssen? Ganz einfach: würde der Hund unter Hunden aufwachsen, würde er automatisch mit den anderen in der Gruppe Ruhe halten. Die pennen ja auch.
Unter Menschen ist das aber ganz anders. Wir sind wesentlich aktiver als ein Hund und setzen ihn wesentlich mehr Reizen aus, als das in einer Welt ohne Menschen der Fall wäre.
Was der Hund also lernen muss, ist, zu entspannen, auch wenn um ihn herum etwas los ist. Wer Kinder hat, weiß, dass man da schnell in einen Teufelskreis gerät. Der (zwei- oder vierbeinige) Zwerg will mittendrin sein, findet alles aufregend, dreht immer mehr auf, und will natürlich nicht schlafen! Bei Kleinkindern rächt sich das zum Beispiel mit Zornanfällen, Brüllen, Weinen. Überdrehte Hunde zerlegen die Wohnung, rennen aufgescheucht umher, beissen, bellen, pinkeln in die Wohnung.
Bei Kindern lässt man es möglichst nicht so weit kommen, sondern besteht aufs Zu-Bett-Gehen. Auch, wenn das Geduld und Konsequenz von den Eltern erfordert.
Bei Welpen wird es dagegen allzu oft für normal gehalten, dass er ständig aktiv ist, bespielt werden will, Aufmerksamkeit fordert. Und um ihn "müde zu bekommen" wird noch mehr gespielt und getobt und der Hund noch mehr aufgedreht.
Den unvermeidlichen Folgen wird mit allen möglichen Erziehungsversuchen begegnet, die aber nicht fruchten können. Denn der Hund ist gestresst und müde, er kann gar nicht lernen, was "Aus" und "Lass das" bedeuten sollen, und ganz sicher kann er es nicht umsetzen.
Spiel, Spaß und Bewegung sind sehr wichtig - aber ebenso wichtig sind die Ruhezeiten, damit der Hund die Reize verarbeiten kann.

Der Spuk ist vorbei

... aber mich lässt die Frage nicht los, wie so viele drauf reinfallen konnten.

Die Rede ist von der unsäglichen Ideologie der "vererbten Rudelstellungen", die vor einigen Jahren Wellen schlug. Inzwischen ist das Ganze eingeschlafen, weil sich viele von der völlig untragbar gewordenen Gründerin abwandten, weil das ZDF aufhörte, im großen Stil Werbung für den Schwachsinn zu machen, weil der Verein dahinter pleite ist, weil es Anzeigen wegen Tierschutzwidrigkeiten hagelte und vielleicht, hoffentlich, auch, weil sich die unermüdliche Aufklärungsarbeit einiger Engagierter gelohnt hat.

Die ganze Misere aufgearbeitet findet man hier: rudelstellungen-klargestellt.de

Ich habe mir einige alte "Aussteiger"-Berichte (es ist wirklich wie bei einer Sekte) durchgelesen und habe mich immer wieder gefragt, warum sind so viele anfangs darauf reingefallen? Sicher, das meiste ist in der menschlichen Psychologie begründet, dem Wunsch nach Anerkennung, danach, Verantwortung abzugeben, von Schuld freigesprochen zu werden usw. usf. - das Ganze war ein schauderhaftes Sozialexperiment, quasi "Die Welle" für Hundehalter. Mit schlimmen Folgen für die Hunde, bis zum Tod.

Aber immer wieder liesst man eben auch von, zumindest anfänglichen, Durchbrüchen, Erfolgen. Davon, dass alles plötzlich leichter, besser, harmonischer wurde. Diese ersten positiven Erfahrungen gab es ja tatsächlich, und sie hielten die Leute bei der Stange.

An dem idiotischen Konzept lag es sicher nicht, da ist nicht "irgendwo ein Körnchen Wahrheit" dran. Davon wird mich keiner überzeugen. Erschreckend, wieviele Absplitterungen immer noch ihr Unwesen treiben, und die gequirlte *** unter anderen Namen weiterverbreiten - als "Hundesozialstruktur" oder "Geburtsrecht der Hunde". Bitte, bitte: Finger weg.

Aber was war es dann?

And the Winner is...

.. ein Pudel!

Bei der Westminster Kennel Club Dog Show, wie Spiegel Online vermeldet. Hundeshows interssieren mich eigentlich ja gar nicht. Der Artikel enthält aber einen hübschen Schmunzler ...

Zitat:
"Siba gewann in der "Non Sporting"-Kategorie - es gibt bei dem Wettkampf noch sechs weitere Gruppen: Jagdhunde, Spielhunde, Hütehunde, Arbeitshunde, Sporthunde und Terrier."
Spielhunde?

Ein Blick in Wikipedia verrät, dass es bei besagter Show die Kategorie "Toy Group" gibt.  Also die Gruppe der Zwerghunde.

Aber hey, "Spielhunde" ist auch süß. 

Blacky ist 80% des Tages ein Schlafhund. Und auf jeden Fall Sieger seiner Klasse. Unbestritten!

Ich bremse auch für Tiere


Sonntagmorgen bei Nebel. Ideal für einen einsamen Spaziergang... von wegen. Bei uns in unserem bisschen Wald ist ja immer viel los, aber heute morgen waren sie wirklich alle Joggen. Alle. Also, außer mir.

 

Da kann man mal wieder schön üben. Fuss. Geh rechts. Warte. Sitz. Weiter. Stopp.

Nur manchmal möchte man den ganz sportlichen Läufern und vor allem Mountainbikern das Motto "Ich bremse auch für Tiere" hinterherrufen... Im Wald, anders als im Strassenverkehr, hat anscheinend automatisch immer der Vorfahrt, der schneller ist. Nichts wie aus dem Weg!

Aber die meisten sind ok, und ab und zu bedankt sich sogar jemand, wenn man ihm Platz macht.

Ach, und zum Thema Bremsen für Tiere. Lange hiess es, wer für (kleinere) Tiere bremse, werde für mögliche Auffahrunfälle verantwortlich gemacht. In den letzten Jahren hat sich die Rechtsprechung in der Sache anscheinend an neue Gegebenheiten - wie die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz und diverse Novellen des Tierschutzgesetzes - angepasst. Es muss nicht gleich ein Elch sein, damit man bremsen darf.

 



Schluss mit der Knallerei

Es ist vielleicht nicht weltbewegend wichtig, dass mein Hund jedes Jahr 1000 Tode stirbt vor Angst. Aber es macht mich noch ärgerlicher über die Silvesterböllerei, als ich es eh schon bin.
Der Feinstaub, der Dreck, der Lärm, die Brandgefahr, die Angst bei Tier und Mensch - jeder kennt die Argumente. Privates Silvesterfeuerwerk ist einfach nicht mehr zeitgemäss.

Daher habe ich diese Petition unterschrieben. Vielleicht kann ich ja irgendwann auch mal wieder Silvester feiern, ohne mit dem Hund zu leiden und um die Pferde zu fürchten.

Und ein Statement einer SPON-Autorin dazu: Leiden wie ein Hund.
Ich finde, Sie hat ganz recht. Ich glaube aber nicht, dass sich irgendein Nicht-Tierhalter groß darum schert, wie es den Hunden geht.
Feinstaub und Umweltbelastung sind die besseren Argumente, denn das geht uns wirklich alle an.

Winter

Kalt, nass, dunkel - aber wenn man dann mal draussen ist, ist es doch eigentlich immer schön. Ohne Hund würde man soviel verpassen!






Und ohne Pferd auch:




Clean River Project

Eine Lieblings-Strecke zum Spazierengehen, ein verwunschenes Stück Rheinstrand - leider seit ein paar Jahren kein versteckter Geheimtipp mehr, sondern Party-Location. Am Wochenende dröhnt Musik, werden Feuer gemacht, und es wird jede Menge Müll hinterlassen. Mitten im Naturschutzgebiet... Dank solcher Idioten wird es dort vielleicht bald heissen: Betreten verboten!
Man kann sich nun ärgern, dass man nicht mehr am Samstag Nachmittag hier entspannt Spazierengehen kann. Oder man geht Montags morgens Müll sammeln... 



So hat Gassigehen gleich noch einen tieferen Sinn. Jemand, der es vorgemacht hat und beweist, dass der einzelne tatsächlich etwas bewegen kann - hier:



Hör doch einfach auf dein Bauchgefühl!



Heutzutage sind die Menschen so weit weg von der Natur. Jahrhundertelang hatte der Mensch Hunde und brauchte kein einziges Hundebuch. Hundeerziehung ist doch inzwischen viel zu verkopft!

Ja, wenn es doch so einfach wäre. Der ganze Kram mit der Natur ergibt nicht wirklich Sinn, wenn man nicht vor hat, mit dem Hund fortan in einer Höhle zu leben und Mammuts jagen zu gehen. Unsere Umwelt ist nun mal keine wilde Natur. Und ehrlich gesagt fragt man sich, wie weit es mit der Naturverbundenheit her ist, wenn dann der von Menschen gezüchtete und geformte Rassehund (vorzugsweise ein Rhodesian Ridgeback oder Weimaraner oder was anderes schickes, modisches...) in den SUV gepackt wird, um von der Hundewiese zurück ins geheizte Einfamilienhaus zu brausen. Wo es mit Sicherheit gemütlicher ist, als in der Höhle. Auch für den Hund. Natur ist toll, aber bitte nicht zu viel davon.

Die Jahrhunderte, Jahrtausende, die der Mensch schon Hunde hält, und das ganz ohne Hundebuch, da ist doch aber was dran, oder? Sicherlich. Wer aber sagt denn, dass das alles immer so wunderbar war?

ABAM

Jeder Artikel von Tierarzt Ralph Rückert ist lesenswert, wer den Blog noch nicht kennt, ganz schnell klicken!

Und damit hat er für mich den Nagel mal wieder so was von auf den Kopf getroffen - der neueste - äh nein, älteste Fütterungstrend: ABAM - Abstauber Bekommen Alles Mögliche!

Der Schmunzler der Woche

... war für mich die schöne Aussage einer zukünftigen Erst-Hundehalterin: "Ich möchte, dass die Leute meinen Hund sehen und sagen: Das ist mal ein gut erzogener Hund!"

Man möchte weise lächeln und sagen, aber ja, meine Liebe, das wollten wir alle...

Ohne Quatsch, natürlich finde ich das einen tollen Vorsatz. Es schimmert dabei aber auch gerne mal der Gedanke durch - "Das kann doch jetzt nicht soo schwer sein!"

Ja sicher, das haben wir alle mal gedacht!

Es ist ja auch nicht unbedingt schwer. Also je nach Hund, ich mit meinem Pudel habe es sicher nicht schwer. Nur eben manchmal so ... unerwartet..?

Gestern z.B. Ich gemütlich am Reiten, alles entspannt, saust Hund los. Einfach so. Nicht hetzend, sondern nach dem Motto "Ich kenn dich!" Hätte meine Tochter da gestanden oder sein bester Hundekumpel hätte es mich nicht gewundert. War aber jemand völlig fremdes... Ein älterer Golden Retriever. Ich komme hinterhergetrabt mit rotem Kopf und schaue nach dem Besitzer. Steht eine nette Dame mit weiteren VIER Golden Retrievern ganz lässig am Wegesrand, die Hunde sitzen ohne Leine da und schauen sich ganz entspannt an, wie ich den Pudel zu mir beordere... was nach mehrfacher Aufforderung dann auch mal klappt.

Dass die nette Frau eine erfahrene Hundehalterin war, war unschwer nicht nur an der Anzahl Hunde, deren Betragen und ihrer Ausrüstung zu erkennen, sondern vor allem daran, dass sie einfach nur freundlich gelächelt hat, keine herablassenden Sprüche, kein arrogantes "Erziehung wäre mal gut" oder "Na der hört ja noch nicht so gut" etc pp.

Als erfahrener Hundehalter weiß man einfach: So ein Hund hat halt auch mal eigene Ideen. Wenn da nur ein harmloser Pudel angehüpft kommt, kann man auch einfach mal locker bleiben, den freundlichen Opa den Abfangjäger spielen lassen, damit der Fremdhund nicht in die Gruppe reinbrettert, und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Fünf Minuten später geht der Herr Dummpudel (sorry) dann wieder im bravsten Fuß an einer Gruppe Hunde vorbei und bekommt Komplimente. Manchmal sieht es ja bei uns auch wirklich toll aus. Und manchmal eben auch nicht.

Ein Hund ist nicht einfach "erzogen" oder "nicht erzogen". Der hat eine Tagesform, genau wie der Mensch, der entwickelt sich, verändert sich, benimmt sich.. oder nicht.

Genauso wichtig, wie der Vorsatz, es gut machen zu wollen, ist eben auch die Ehrlichkeit zu sich selbst: Wie gut sind meine Fähigkeiten? Wieviel Erfahrung habe ich? Und wie 100% bin ich - bin ich nicht auch mal abgelenkt, lasse gerne alle Fünfe gerade sein oder bin ein bisschen chaotisch? Sowas muss man auch mitbedenken, vor allem bei der Rassewahl.

Wir sind alle nur Menschen, und unsere Hunde auch. Perfektion GIBT es nicht.

Und manchmal brauchen die Leute auch mehr als nur einen Hund, um das rauszufinden. Richtig toll sind immer die Leute, die einen Hund hatten. Und der hat nie gejagt. Das ist also ganz einfach. Der ist nie zu anderen Hunden hingelaufen. Also offensichtlich auch ganz einfach. Der konnte von Anfang an alleine bleiben. Warum stellen sich manche nur so an....

Liebe Besitzer ganz einfacher Hunde (da schliesse ich mich ein) - seid ein bisschen gnädig mit denen, die es nicht so einfach haben. Auch wenn die vielleicht selbst schuld sind, weil sie natürlich unbedingt Rasse X oder Y haben mussten. Denn mit ein bisschen gutem Willen kann das ja nicht soo schwer sein...