Das richtige Werkzeug ist alles

Ja, ja, was weiß ich schon über Hundesport. Alles ganz sanft, total nett zum Hund. 
Dabei bin ich nicht mal jemand, dem alles immer nur aus Zuckerwatte sein muss. Aber wenn ich solche Beschreibungen (von der Webseite des irgendwie total berühmten Ausbilders Bart Bellon) lese... Na, ratet mal, um was es hier geht:

"For people who appreciate fine design, as well as for people who want to stay out of political snares, and all people who just want to train their dog and want their remote trainer to be inconspicuous and desire to answer no more questions about their tools."

"Für Menschen, die schönes Design mögen, und für Menschen, die sich politischen Fallstricken entziehen möchten, und für alle, die nur ihren Hund trainieren möchten und ihren Ferntrainer unauffällig haben möchten, und die keine Fragen mehr über ihre Werkzeuge bantworten möchten."

Ja, ein unsichtbares Elektro-Halsband. Kein hässliches Kästchen mehr, sondern ein elegantes, schmales, anschmiegsames Halsband. Für bessere Kommunikation mit dem Hund. Toll, das.

Ich mags hier nicht verlinken, aber Google hilft, wenn man mehr rausfinden möchte.

Drauf gekommen bin ich, weil ich herausfinden wollte, was hinter der so drollig benamsten Methode "NePoPo" steckt (Oh Oh Sorry NePoPo© natürlich). Steht für Negativ-Positiv-Positiv, die patentierte Methode des oben genannten Ausbilders und Elektro-Halsband-Verkäufers Bart Bellon.
Wahnsinng tolle neue Erfindung... Nö, einfach der gute alte Mister Skinner: Zunächst wird Druck aufgebaut. Nachdem das erwünschte Verhalten gezeigt wird, hört dieser Druck auf - also klassische negative Verstärkung. Obendrauf wird noch eine Belohnung gesetzt. Also Druckaufbau - negative Verstärkung durch den Release - Positive Verstärkung durch die Belohnung. Operante Konditionierung nennt man das. Oder halt NePoPo. Wenn man lustige Wörter mag.

Mega seltsam und im Widerspruch zu allem, was ich bisher im Training von Hunden und Pferden gelernt habe: Die negative Verstärkung, also das Wegnehmen des Drucks, erfolgt nicht, sobald der Hund dem Druck nachgibt (also z.B. dem Zug der Leine nachgibt, und sich nicht mehr dagegen stremmt). 

Dabei wäre das immer mein Ziel: Zu erreichen, dass der tierische Trainingspartner lernt, auf immer weniger Druck von mir immer schneller und weicher nachzugeben. So entwickeln sich prompte  Reaktionen auf immer feinere Signale. Absolute Basis für alles im Pferdetraining (und zwar ganz klassisch, nix neumodisches Zueg oder so). Und auch beim Hund würde ich ja wollen, dass er z.B. lernt, bei Zug an der Leine mit Naachgeben zu reagieren, und nicht mit noch festerem Ziehen.

Zu meinem Erstaunen wird bei "NePoPo" aber genau andersrum gearbeitet. Hier lässt der Druck erst nach, wenn der Hund Gegendruck erzeugt. Ich klaue hier mal die Beschreibung eines Hundeführers, wie man nach der Methode "Fuß" erarbeitet:

"Ich ziehe leicht nach aussen, leicht von mir weg. Durch das Prinzip "Zug ergibt Gegenzug" wird der Hund dann gegen mein Bein drücken. Wenn er dies tut, lass ich sofort locker, so lernt der Hund, dass er den Zug "ausschalten" kann, indem er dagegen drückt. So kannst du dann deinem Hund Positionen beibringen und vieles mehr. Der Hund lernt schon als Welpe das "Zug-Gegenzug"-Prinzip (bzw. er muss es nicht mal gross lernen, es geschieht ja automatisch). Natürlich ist das ganze nur ganz sanft, nie wird grob gerupft an der Leine, denn sonst getraut sich der Hund nicht dagegen zu arbeiten. "

Als Training für eine erwünschte Körperhaltung ist das sicherlich sehr effektiv (ein Training, dass die Prinzipien der negativen und positiven Verstärkung gezielt und punktgenau einsetzt, ist eigentlich immer effektiv).

Auch der Satz "Druck-Gegendruck geschieht automatisch" ist absolut wahr. Das ist erstmal die normale Reaktion. Genau deshalb würde ich, wie gesagt, alles dransetzen, dem Hund beizubringen, mir nachzugeben und zu folgen, statt dagegen zu halten. Für mich ist das das Grundprinzip jedes Trainings, jeder Zusammenarbeit.

Auch, wenn man noch so sehr versucht, ohne Druck und nur positiv zu arbeiten - wenn der Mensch etwas vom Hund will, übt er immer Druck aus. Und sei es nur mental. Oder in seiner Körpersprache, oft unbewusst.
Es ist besser, man weiß das, weiß es einzusetzen und zu dosieren, und bringt dem Hund bei, wie er damit umgehen soll. Und zwar nicht, indem er seinerseits Gegendruck aufbaut, sondern indem er dem Druck nachgibt. So simple Dinge, wie: Der Hund ist an der Leine, ich biege rechts ab, der Hund folgt. Und nicht: Ich biege rechts ab, der Hund läuft links, wir spielen Tauziehen.

Leider wird meistens nur darüber diskutiert, ob eine Methode nun "negativ" oder "positiv" ist (oft in  Unkenntnis darüber, was positiv und negativ in der Lerntheorie bedeutet).
Manchmal schaut dann keiner mehr hin, WAS eigentlich gelehrt wird.

Ich habe gar nix gegen Hundesport. Aber wenn eine Übung zum reinen Selbstzweck wird, wenn ich nur das Bild des Hundes trainiere, der am Bein klebt, dann sehe ich den Sinn nicht.
Wenn die Übung nicht die Kommunikation und Verbindung von Hund und Hundeführer generell verbessert, die feine Abstimmung, die Nachgiebigkeit, die elastische Verbindung zwischen Hund und Mensch, was soll das dann? Was soll eine Übung erreichen, die auf "Druck/Gegendruck" basiert?

Natürlich, die Erfolge geben dem Mann Recht. Vermutlich lernt es sich mit dem unsichtbaren, eleganten Elektrohalsband auch noch besser.  Dummerweise ist das in Deutschland verboten... Aber:

"The Chameleon® II can be customized: to change any and all the parameters of your collar (vibrations, sound, stimulation, LED and the test for skin contact) and to respect the laws in countries where you can not use the electronic collars."

 Dann ist es ja gut.



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