Hundetrainer konnte sich nennen, wer will...

... und das fand ich gut! 

Der ganze Schlamassel um den "11er" zeigt es mal wieder: Deutsche Reglementierungswut nützt keinem was. 

Ein Tierschutzgesetz haben wir schon lange. Jeder, der mit Tieren umgeht, unterliegt diesem, ob Hundetrainer oder nicht. Ein Sachkundenachweis ändert nichts daran, dass Trainer Tieren keine Schmerzen bereiten dürfen. Diese grundlegende Minimalanforderung ist also ohnehin erfüllt.

Welche Sachkunde soll nun also nachgewiesen werden - und wie?

Das "Wie" ist erstmal das Interessantere. Das liegt nämlich voll und ganz im Ermessen der zuständigen Behörde - des Veterinäramtes. Reicht es, wie in manchen Fällen berichtet, eine Begleithundeprüfung abgelegt zu haben? Oder müssen Multiple Choice Fragebögen ausgefüllt werden (für eine Menge Geld)? Kann man langjährige Erfahrung geltend machen? Oder muss es ein teures Fernstudium mit hübschem Diplom sein? 
Und welche Sachkunde haben die Prüfer? Muss man als Amtsveterinär tatsächlich Ahnung von Hunden haben? 

Und was ist "Sachkunde" überhaupt? Was machen Hundetrainer eigentlich? 
Wenn man Agilitygruppen trainieren möchte oder Diabetikerassistenzhunde ausbildet, muss man dazu wissen, wie man mit einem hochaggressiven Hund arbeitet? 
Muss ein Problemhundeberater umgekehrt Ahnung von Hundesport haben? 
Was hat die nebenberufliche Spiel- und Spaß Hundeschule mit einem TV-bekannten Franchisegeber gemeinsam? Welche Schnittmenge hat eine "Clickertante" mit einem Schutzhundeausbilder?
Soll wirklich jeder alles können - und dann am Ende alle nix? 

Als Kunde habe ich das Privileg und die Verantwortung, mir aussuchen zu können, welche Dienstleistung ich gut finde, welche ich bezahlen möchte, was zu mir passt. Es gibt genug Hundetrainer mit irgendwelchen Diplomen und Zertifikaten, die mir nicht taugen. Es gibt Trainer, die nie irgendeine Ausbildung gemacht haben, und wirklich was drauf haben. Es gibt Leute, die begeisterte Anhänger haben und gleichzeitig von anderen verteufelt werden. In der Hundeszene ist das sogar eher die Regel als die Ausnahme. Die Frage, was richtig ist und was falsch, polarisiert extrem. Und das ist gut und richtig so, denn schließlich ist Vielfalt die Voraussetzung für Veränderung und Entwicklung. 

Nur weil es vielleicht Leute gibt, die lieber auf irgendwelche Dokumente vertrauen als auf ihr eigenes Urteil, werden nun aber alle über einen Kamm geschoren. Damit ist niemandem geholfen. 
Ausser denen, die sich mit dem Austeilen von passenden Zertifikaten ein feines Sümmchen verdienen können und für teuer Geld dubiose Ausbildungen anbieten. 

Man kann nur hoffen, dass der Unsinn bald auf Grund läuft, ähnlich wie eine vergleichbare Verordnung vor Jahren, die beinahe das Ende für alternative Hufbearbeitung bei Pferden bedeutet hätte. 

Wir haben ein Tierschutzgesetz. "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." Das reicht.

Ob ich einen Trainer gut finde oder nicht, ob ich Wert auf irgendwelche Qualifikationen lege oder nicht, welchen Schwerpunkt ich wähle, ob ich clickern möchte oder nicht, ob ich mit Futterbeuteln schmeissen, nonverbal kommunizieren oder mit Schläuchen werfen will, ja vielleicht sogar Buchstabensuppe aus meinen Hund machen möchte - bitte ÜBERLASST DIE ENTSCHEIDUNG MIR. Ich kann selber denken. Danke.

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